Philmarie Theatdaggres

LITERARISCHE UMSTURZVERSUCHE
Polit.Lesebühne von Philmarie Theatdaggres
jährlich im DeCentral in Innsbruck

Jede bzw. Jeder kann max. 2 Texte zu je ca. 5 min. vortragen, ob selbstgeschrieben oder von irgendwem anders und evtl. erklären inwiefern das Gelesene sozialkritisch einfährt. Die Sprache und Anzahl der Vorleser_innen ist dabei egal. Da es sich bei dieser Veranstaltung um eine politische Lesebühne handelt, sollte eigentlich alles unpolitische strikt aussortiert werden, da aber sowieso alles im Leben irgendwie politisch ist, wird das gar nicht erst versucht.

Literatur Vortragerei von Philmarie Theatdaggres

„Bei poetry slams, Lesebühnen, politisch links-autonome Veranstaltungen und Soloauftritten konfrontiere ich einige Mitmenschen des öfteren vortragstechnisch mit meinen literarischen Ergüssen. Meine behandelten Themen spannen sich vom Politisch-sozialkritisch-anarchistischem über Behindertenproblematischem und Skurrilem bis hin zum Queeren. Ihr könnt euch auf meiner Homepage theatdaggres.at ein Bild über meine Tätigkeiten machen, die sich neben literarisch auch theatralisch gebärden.“

Personenbeschreibung
Philmarie Theatdaggres: Autor, Theatermacher und Vorleser aus Innsbruck; Gründer der Theatergruppe „Theater der Aggressionen“ und Durchführer der jährlichen Po.Lit.Lesebühne „literarische Umsturzversuche“; Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften; ist im Rollstuhl (teilweise notwendig zu wissen, um seine Texte besser verstehen zu können)

 

3 VON PHILMARIE’S TEXTEN:

Flug 191

Die Augen meines Sitznachbars waren immer noch feucht von den Abschiedstränen, als das Flugzeug abhob, um ihn in die bedrückende Sterilität des Münchner Flughafens auszukotzen, in den Schoß der Menschen zurück, die aufgrund familiärer Verhältnisse, dazu gezwungen waren ihn zu lieben. Er saß im mittleren Teil des Flugzeugs am Fenster, wodurch es ihm mög-lich war, zu versuchen, den fesselnden Bewegungen der Proppellorblätter zu folgen.
Als die Flugbegleiterin die Sättigungsmittel verteilte, befand er sich in einem rauschähnli-chem Zustand, einem Gemisch aus Selbstmitleid, Wiederholungstrance und kopfhörerbeding-tem Akustik-Trip. Da die Frau mit den Fressalien seine Trägheit inklusive geschlossener Vi-sualisierungs-Ausstattung, als ultimative Entspannung sämtlicher nicht vegetativen Körper-funktionen wertete, musste er auf sein Sandwich verzichten.
Ich war währenddessen, wegen dem scheiß Service, dazu gezwungen mir mein Brötchen sel-ber zu belegen, wobei ich mir nur die Hälfte der mir dargeboten Nahrung zuführte.
Als Philmarie Theatdaggres, mein Sitznachbar, wieder bei vollem Bewusstsein war, (dass dieser Zustand überhaupt möglich und erstrebenswert ist, wage ich zu bezweifeln) befand sich jedenfalls ein Brötchen, etwas Käse und Gemüse auf meinem Tablett, weshalb sich diese Sau ohne zu fragen die übrig gelassenen Fressalien ins Maul stopfte. Mir platzte der Kragen, ich stand auf und hielt spontan folgende Brandrede:

„Das ist ja wohl nicht fassen! Den Großteil des Fluges gibt sich dieses unverschämte Subjekt hier als unscheinbarer Sitznachbar und dann diese bodenlose Frechheit. Zu meiner Zeit hätte es so etwas nicht gegeben. Gegen eine solche Missachtung unserer westlichen Grundwerte muss endlich wieder strikt vorgegangen werden. Es kann ja nicht sein, dass ein solcher Un-mensch ungestraft die Heiligkeit des hart erarbeiteten Besitzes, anderer Menschen überschrei-tet. Ob dieser Besitz gerade verwendet wird, oder nicht, darf dabei keine Rolle spielen. Die gesamte zivilisatorische Entwicklung basiert ja auf Eigentumsverhältnissen. Ohne der Gier die eigenen Besitztümer zu vermehren und dann zu wissen, dass diese Güter nur von einem selber benutzt werden dürfen, wären wir heute nie da wo wir jetzt sind. Ob diese Vermehrung des eigenen Besitzes dann auch gebraucht wird, darf natürlich nicht von Belang sein.
Deswegen werde ich jetzt meinen Sitznachbarn hier, der mir ungefragter Weise das übrig ge-lassene Brötchen von meiner Bordjause stibitzt hat, mit seinem Sauerstoffgerät strangulieren, solange wir uns noch auf staatenlosem Gebiet befinden. Wenn irgendjemand von euch, weil wir ja alle im gleichen Flieger sitzen, etwas dagegen hat, dass ich jetzt diesen ungeheuerlichen Verstoß gegen die zivilisatorischen Grundwerte des guten Benehmens sanktioniere, der möge jetzt sprechen, oder für immer schweigen.

Am Sonntag den 23.8.2008 wurde der Österreichische Passagier Philmarie Theatdaggres, in der Lufthansa-Maschine 171 auf dem Weg von Helsinki nach München, mit seinem Sauerstoffgerät erdros-selt. Alle anderen Fluggäste bekannten sich schuldig die Tat begangen zu haben, was die Po-lizei vor ein Rätsel stellte. Solche Vorfälle treten seitdem immer häufiger auf.

Appell der Liebe

Mir geht es dermaßen auf den Wecker, dass sich so viele Leute in meinem Namen treu sind, oder zumindest versuchen es zu sein, solang sie noch nicht auf Alkohol oder andere Drogen sind. Was hat das bitte mit mir zu tun, wenn irgendein Mensch mehr oder weniger ein ausschließliches Gebrauchsrecht für eine andere Person einfordert?
Wenn natürlich kein Bedürfnis besteht, mit einem oder mehreren anderen Menschen ins Bett zu gehen, ist Treue klarerweise kein Verbrechen an mir und völlig in Ordnung, aber sie als Beweis meiner Wenigkeit zu sehen ist ein Irrglaube, der dringend ausgeräumt gehört. Ei-ne Person psychisch und manchmal leider auch physisch zum treu Sein zu zwingen ist nichts anderes als Bedürfnisunterdrückung, im zweiten Fall noch verabscheuenswerter und hat absolut nichts mit mir zu tun.
Also hört bitte endlich auf eure Unterdrückungsverhältnisse in meinem Namen zu praktizieren! Oder versucht es zumindest immer wieder, gerade weil ihr ja alle von der Gesellschaft eingeimpft bekommen habt, dass Treue eine Vorraussetzung für mich wäre.

pro Atom

So schrecklich die Ereignisse im März 2011 in Japan waren und auch wenn die Langzeitfolgen auf Generationen zu spüren sein werden, hat diese Atom+-Katastrophe doch auch Positives bewirkt. Illegale und höchst kriminell aktive, chinesische Immigranten stellten sich in Japan zu dieser Zeit reihenweise der Obrigkeit, um so schnell wie möglich in ihr Herkunftsland abgeschoben zu werden, frei nach dem Motto „China statt Fukushima!“.
Wir in der von Flüchtlingen geradezu belagerten Festung Europa, sollten uns an dem klugen fernöstlichem Inselvolk ein Beispiel nehmen. Gerade jetzt wo uns die Diktatoren vor unserer Haustür abhanden gekommen sind, ist das unbedingt nötig, weil eben die früher für uns die Drecksarbeit im Kampf gegen den Flüchtlingsstrom erledigt haben, also alle Maßnahmen welche unmittelbare Menschenrechtsverletzungen im großen Stil erfordern und die wir ja bei uns nicht durchführen können, ohne unseren humanitären Anschein zu verwirken.
Es braucht darum jetzt dringend eine rasche Kehrtwende in der europäischen Flüchtlingspolitik. Um den Aus- und somit Minderwertigen, noch stärker das Gefühl zu geben, dass sie sich abschminken können, bei uns ein besseres Leben zu haben.
In diesem Sinne sollten wir so schnell wie möglich damit beginnen unsere Heimat radioaktiv zu verstrahlen, oder wenigstens ein erhöhtes radioaktives Bedrohungsszenario zu erschaffen, indem wir gerade jetzt verstärkt auf die Atomkraft setzen und neue Meiler errichten. Besonders in von Naturkatastrophen bedrohten Gebieten, wie Lawinenstrichen und so. Gleichzeitig sollte natürlich Schutzkleidung für Einheimische gratis zur Verfügung gestellt werden.
Die Devise muss also lauten: Atomkraft ja bitte!

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